Stärke zeigen heißt nicht, alles auszuhalten

Verletzlichkeit zu zeigen ist Stärke. Das lebt die MADITA-Community sichtbar vor – wunderbar, wichtig, ein Stück mehr Menschlichkeit im Alltag. Nur darf man das nicht mit Selbstaufgabe verwechseln. Mit sich selbst vergessen. Mit Aushalten.

Ich erlebe das jede Woche in meiner Arbeit als Trennungsexpertin: Frauen, die offen über das sprechen, was sie belastet – mit der besten Freundin, in der Familie, mit sich selbst. Frauen, die Woche für Woche wieder darüber reden, immer wieder mit sich selbst verhandeln und trotzdem an derselben Stelle stehen bleiben. Weil Reden noch keine Entscheidung ist.

Der Mythos vom Durchhalten

Es wurde uns Frauen jahrhundertelang bewusst oder unbewusst vermittelt, dass Stärke bedeutet: aushalten. Die Ehe, den Job, die Erschöpfung, die Beziehung, die sich wie Arbeit anfühlt und nicht wie Zuhause. Wer durchhält, gilt als stark. Wer geht, gilt schnell als „hat's halt nicht ausgehalten“. Das ist Unsinn. Durchhalten ist keine Kompetenz. Es ist oft einfach nur Angst mit gutem Image.

Und das gilt nicht nur für Beziehungen. Der Job, der dich krank macht. Die Freundschaft, die nur noch zieht und nichts zurückgibt. Überall dasselbe Muster und überall darfst du aufhören, es auszuhalten.

Was echte Stärke tatsächlich bedeutet

Echte Stärke ist keine Ausdauerdisziplin. Sie zeigt sich nicht darin, wie lange du etwas ertragen kannst, sondern darin, ob du bereit bist, eine Wahrheit anzusehen, die unbequem ist und dann etwas damit zu tun.

Das kann heißen, dass du gehst. Es kann genauso gut heißen, dass du bleibst, aber bewusst (unter anderen Bedingungen) und nicht aus Gewohnheit. Beides kann stark sein. Was nicht stark ist: weiterlaufen lassen, weil Gehen sich nach Scheitern anfühlt und Bleiben nach Sicherheit - obwohl es oft das Gegenteil ist.

Woran du merkst, dass du nur noch aushältst

Ein paar Fragen, die ich meinen Klientinnen stelle, wenn sie „es geht schon irgendwie“ sagen:

  1. Würdest du deiner besten Freundin raten, genau das zu tun, was du gerade tust?

  2. Wovor hast du mehr Angst: vor dem Ende oder davor, was andere sagen, wenn du gehst?

  3. Bist du wirklich noch bewusst in der Beziehung, oder nur noch in der Erklärung, warum du bleibst?

Stell dir diese drei Fragen ruhig auch mal für den Job, in dem du feststeckst. Sie funktionieren dort genauso gut. Ehrliche Antworten darauf tun weh. Das ist auch der Punkt. Klarheit fühlt sich am Anfang selten gut an, aber sie fühlt sich immer richtiger an als das Aushalten davor.

Eine Mini-Übung, die du sofort machen kannst:Vervollständige den Satz „Ich bleibe, weil …“ zehnmal. Schnell, ohne nachzudenken. Lies dir die zehn Sätze dann laut vor und zähl: Wie oft kommt etwas Positives wie Liebe oder Freude, wie oft etwas Negatives wie Angst oder Pflichtgefühl? Das Verhältnis sagt dir mehr über deine Situation als jede Grübelnacht.

Für dich, wenn du gerade nicht weißt, ob du gehst oder bleibst

Du musst diese Entscheidung nicht allein und nicht heute treffen, aber du darfst aufhören, sie vor dir selbst zu verschweigen.

Als kleinen ersten Schritt habe ich mein Freebie „10 Impulse für Frauen, die innerlich schon gegangen sind“: für den Moment, in dem der Kopf noch „alles gut“ sagt, der Bauch aber längst weiß, dass es das nicht ist.

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Über Sabine Buiten:

Sabine Buiten ist Trennungsexpertin, Lebens- und Sozialberaterin und Coachin für Frauen in Umbruchsphasen in Wien. Sie begleitet Frauen offline wie online durch die Frage „gehen oder bleiben“- nicht als Beraterin mit Klemmbrett, sondern als Komplizin am Küchentisch.
Mehr auf: https://sabinebuiten.com/

Kontakt: info@sabinebuiten.com | 0664 887 183 44

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